Im Folgenden ein paar Zeilen zu meinem Denken, Fühlen und Handeln, als Mensch, Mann und Künstler.


"Die Wissenschaft ist der Verstand der Welt, die Kunst ihre Seele"

(Maxim Gorki)

Ich will mich mal nur auf den zweiten Teil beziehen, denn es ist mir nicht ganz klar, wie Gorki den Begriff, Verstand, definierte. Gut, auch der Begriff Seele ist nicht eindeutig definiert. Ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit setze ich Seele mit Psyche gleich und unter diesem Gesichtspunkt, finde ich die Aussage sehr treffend.

Bereits als Teenager verspürte ich eine große Seelenverwandtschaft zu den Surrealisten, sogar ideologisch und sozialpolitisch, wie ich allerdings erst vor Kurzem (im Frühjahr 2014) entdeckte, als ich in einem Lexikon des Surrealismus über die Entstehung und den Werdegang dieser Epoche las. Wenngleich ich es für ausgesprochen naiv bewerte zu glauben, mit Kunst, ob nun bildend oder darstellend, an den Bezugsrahmen der Menschen Wesentliches, wenn auch dringend nötig, verändern zu können, so hege auch ich eine tief sitzende Aversion bezüglich der gelebten bourgeoisen Werte. Ich mache diese als dekadent, vor allem aber langfristig als destruktiv und somit nekrophil, im Erich Frommschen Sprachgebrauch und Gegensatz zu biophil, aus.

Es verwundert nicht, dass sich einige Surrealisten den Kommunisten nahe fühlten, dennoch war der Surrealismus keine parteipolitisch ideologische Revolution. Es wäre... ..............................................................................................................! Bitte scrollen !
...auch eine Sackgasse, denn der Kommunismus ist lediglich der habensorientierte Gegenpol zum Kapitalismus, folgt also den selben Werten und kann somit keine wesentliche Veränderung herbei führen; erst recht nicht in der praktizierten zentralistischen Intension, die bisher eher totalitär gleichmachend, denn den Menschen als Individuum würdigend agierte.

Ich verstehe den Surrealismus als Versuch einer Werte-Revolution, weniger im Sinne einer Umwälzung bzw. eines Zurückwälzens (revolutio), als vielmehr einer geistigen und seelischen Reifung. Geglückt ist das meiner Ansicht nach nicht, aber es täte uns gut. Vergleiche ich die Entwicklung eines Menschen mit der der Menschheit, bin ich mir manchmal nicht sicher, ob wir noch im Bewusstsein eines Kleinkindes - ICH, ALLES, SOFORT - verhaften oder ob wir doch schon in der Pubertät stecken. Wie auch immer, wir scheinen noch immer dringend der Fürsorge und Orientierung einer Autorität zu bedürfen, anders kann ich mir den Aberglauben (Glaube wider die Vernunft) an einen Gott, Geld oder sonstige Mächte und Kräfte nicht erklären. Seneca soll vor einigen Jahrhunderten einmal gesagt haben: "Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen". Wohlwollend und treffend - ich stimme uneingeschränkt zu - doch wünschte ich mir, es gäbe mehr Willen, sich in unserer Begabung zu üben. In meiner Wahrnehmung sind wir von einem als Sozialwesen eigenverantwortlichen und bewussten Denken, Fühlen und Handeln weit entfernt.

Knapp zwei Jahrzehnte als Kommunikationstrainer und Coach tätig, gewann ich eine Erkenntnis, die mich meine diesbezügliche Tätigkeit einstellen lies: Lernen, definiert als ein bestehendes Verhalten zu Gunsten eines besseren, reiferen Verhaltens und in grundlegenden Werten zu verändern, bedarf scheinbar großen, als unerträglich empfundenen, Schmerzes, ansonsten überwiegt unsere Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten. Selbst dann bleibt ungewiss, in welche Richtung die möglichen Neubeschlüsse gehen.

Lebenslanges Lernen meint zumeist lediglich den Wissenszuwachs. Diesen kann man messen und man erhält im Erfolgsfalle Zertifikate, die den eigenen Warenwert anheben helfen. Nicht messbarer Zugewinn in zum Beispiel Sozial- und Persönlichkeitskompetenz gilt wenig bis gar nichts und eine wirklich intrinsische Lernmotivation ist für mich nahezu flächendeckend nicht zu erkennen gewesen. So kam ich zu dem Ergebnis, dass das Gros der Menschen lernresistent weil unwillig ist - am grundsätzlichen Vermögen liegt es jedenfalls nicht!

Ich widmete mich fortan (2004) vollends und sehr viel schneller als geplant der Fotografie, mit der ich als 9-jähriger, erstmals eine Kamera selbst auslösend, in unmittelbaren Kontakt kam. Das liebevolle Lächeln der Portraitierten bedeutete mir, dass meine fotografischen Ergebnisse nicht sonderlich überzeugten - mich selbst ebenso wenig. Ich wandte mich der Makrofotografie zu, die anfänglich eher Nahaufnahmen, als Makroaufnahmen waren. Jedenfalls interessierte es mich schon damals als Heranwachsender, den alltäglichen Dingen einen unüblichen und vielleicht unbekannten Blickwinkel abzuringen, bzw. meine Wahrnehmung der Realität um ein paar weitere Perspektiven zu erweitern.

Auch hierin sehe ich eine, wenngleich auch entfernte, Seelenverwandtschaft - eines der wichtigen Merkmale des Surrealismus (=Überrealität) ist nämlich die Enttextualisierung, worüber neue Erkenntnisse und vor allem Erfahrungen zu finden die Idee war. Zu den bekanntesten Vertretern unter den Malern zählen sicher Salvador Dali, Max Ernst, Hieronimus Bosch, René Magritte und viele mehr. Fotografisch und malerisch war es ein Man Ray und filmisch ein Luis Bunuel, die meine Aufmerksamkeit erregten; desgleichen die Werke eines Joan Miro, letzterer sich aber eher der absoluten Abstraktion bediente. Allen gemeinsam scheint die Aufmerksamkeit gegenüber des Werdens im Schaffensprozess zu sein. Der sinnlichen Wahrnehmung maßen die Surrealisten eine sehr große Bedeutung zu.

Sinnlichkeit ist ein mich faszinierendes Thema und vor allem Erleben. Ich bin auch Hedonist, aber im epikureischen und ganz sicher nicht im kyrenaischen Sinne. Orgiastisches Luststreben, ohne jede Vernunft, führt in eine nicht enden wollende Spirale, in der sich Frust und Ekstase in immer kürzeren Abständen ablösen, aber gewisslich nicht in die angestrebte Ataraxie. Anders ausgedrückt, immer mehr und immer besser, schafft mehr innere Unruhe und Unbehagen als Seelenruhe. By the way - ein für mich entscheidender Gesichtspunkt, sich vom permanenten Wachstum endlich zu verabschieden.

Ich beabsichtige mit meiner Photoart keine Revolution in Gang zu setzen, für mich ist es eine Form der Kommunikation, über die ich mich mitteile und Angebote mache. Als solche haben diese die Eigenschaft angenommen oder abgelehnt werden zu können. Wer meine Angebote annehmen mag, wird bei den Bodylightpaintings nicht umhin kommen, das eine oder andere Bild länger betrachten zu müssen. Ich nenne es aktivierende Entschleunigung.

Die Projektionen auf den Körper, manchmal als zweite Haut, manchmal als Kleidung aus Licht eingesetzt, versperren den gewohnten Blick. Im ersten Reflex sind die meisten zunächst damit beschäftigt, sich durch die Projektion hindurch eine Vorstellung des Körpers zu verschaffen. Wenn überhaupt, lässt ein Betrachter es zumeist erst im zweiten Hinsehen zu, sich mit dem vordergründigen Bild, mit dessen Farben und Formen zu beschäftigen und auf sich wirken zu lassen. Nicht immer nutze ich die Verfremdung; häufig nutze ich die Projektionen im allegorischen Sinne, manchmal geht es mir auch schlicht nur um Ästhetik.

Es gibt durchaus Parallelen zwischen dem fotografischen und dem physiologischen Akt. Das fertige Bild symbolisiert den Orgasmus, worauf es letzlich hinaus läuft. Es ist der Orgasmus aber das Ende und wird nicht grundlos auch der kleine Tod genannt. Viel interessanter aber ist auch mir, ähnlich wie den Surrealisten, das Werden, das Entstehen, das darauf Zugehen. Ich habe zwar vorgefertigte Projektionsvorlagen und auch eine Idee, wie ich diese Einsetzen will, doch ergeben sich sehr häufig im Laufe eines Shootings ganz neue Eindrücke und Erfahrungen und auch im Dialog mit dem Modell und der Assistenz zusätzliche Anregungen, die ich liebend gern aufnehme. Wichtig ist mir, mich situativ darauf mit allen Sinnen einzulassen und diesen vor meinem Verstand den Vorrang zugeben. Auch ist es das Erleben des Unbekannten im Bekannten, wie des Bekannten im Unbekannten, des nicht Vorhersehbaren und das Entdecken und Kreieren.

Das fertige Bild kann meine Sinneseindrücke des Shootings dem Betrachter nicht übermitteln. Das ist auch nicht erforderlich. Lässt sich der Betrachter darauf ein, können in ihm andere, nicht minder interessante Wahrnehmungen entstehen - Gefühle, Stimmungen, vielleicht gar Geschichten. Das wäre der aktivierende Part meiner Idee von einer aktivierenden Entschleunigung.

Mir ist einmal gesagt worden, dass ich über die Namengebung meiner Bilder, den Betrachter einenge, zumindest in eine bestimmte Richtung lenke. In der Tat dachte ich einige Zeit darüber nach, ob ich es tun soll, oder besser nicht. Die Gefahr der Beeinflussung, die ich als nicht gravierend bewerte, gehe ich ein, denn wie sonst sollten die Bilder verbal kommuniziert werden können. Als Alternative kam mir noch der Gedanke der schlichten Nummerierung, doch war mir das zu primitiv. Mir selbst passiert es gelegentlich, dass ich ältere Bilder in einer anderen Stimmung wahrgenommen, ganz anders benennen würde. Warum also sollte es einem Menschen, nicht möglich sein, sich ebenfalls über den Namen hinweg zu setzen und zu seinen ganz eigenen Eindrücken gelangen?!

Ich wünsche Allen eine entspannte und kurzweilige Zeit in meiner Galerie

Mark Kant








shootings simply different